- „Full Set“ heißt: Uhr, Originalbox, Garantiekarte oder Zertifikat und die Beilagen, die beim Kauf dabei waren. Fehlt etwas, spricht man von „Box und Papiere“, „nur Papiere“ oder „Uhr solo“.
- Ein vollständiges Set belegt die Herkunft und erleichtert den Wiederverkauf. Bei gefragten Referenzen liegen zwischen Set und Solo-Uhr schnell mehrere hundert bis einige tausend Euro.
- Viele Echtheitsmerkmale lassen sich mit bloßem Auge prüfen. Sicherheit gibt aber nur der Blick ins Werk.
Was „Full Set“ bedeutet
Ein Full Set ist die Uhr in dem Zustand, in dem sie den Konzessionär verlassen hat. Dazu gehören:
- Originalbox, bei den meisten Marken innere Box und äußerer Umkarton.
- Garantiekarte oder Zertifikat mit Referenz, meist Seriennummer, Kaufdatum und Stempel des Händlers. Das ist das wichtigste Teil des Sets.
- Beilagen: Bedienungsanleitung, Booklets, Hangtags, Kalenderkärtchen.
- Belege: Kaufrechnung, Servicerechnungen, ausgetauschte Teile. Sie gehören streng genommen nicht zum Set, erhöhen aber Nachvollziehbarkeit und Wert.
Die Abstufungen darunter sind üblich und ehrlich: „Box und Papiere“ (Box und Karte, Beilagen fehlen), „nur Papiere“, „nur Box“, „Uhr solo“. Wichtig ist, dass der Verkäufer genau benennt, was dabei ist.
Warum das Set den Preis bewegt
Die Garantiekarte belegt, wann und wo die Uhr gekauft wurde, und verknüpft Seriennummer und Erstbesitz. Beim Wiederverkauf fragt jeder Käufer danach. Deshalb zahlen Händler und Sammler für ein vollständiges Set spürbar mehr, bei Stahlsportmodellen von Rolex, Patek Philippe oder Audemars Piguet oft deutlich mehr als bei klassischen Dresswatches. Box und Beilagen wiegen weniger als die Karte, runden das Bild aber ab.
Nachkaufen lässt sich das nicht: Rolex und die meisten Manufakturen stellen keine Ersatzkarten aus. Ein Servicenachweis der Manufaktur kann die Herkunft später zumindest dokumentieren.
Was Sie selbst prüfen können
- Gewicht und Haptik. Echte Luxusuhren sind schwer und dicht gebaut. Nichts klappert, das Band läuft ohne Spiel, die Schließe rastet satt.
- Gravuren. Schriftzüge auf Rehaut, Gehäuseboden und Schließe sind scharf, gleichmäßig tief und exakt ausgerichtet.
- Zifferblatt und Zeiger. Druck ohne Fransen, Leuchtmasse sauber aufgetragen, Indizes exakt gesetzt. Unter einer Lupe verraten sich Fälschungen fast immer hier.
- Sekundenzeiger. Bei mechanischen Uhren läuft er gleichmäßig in kleinen Schritten, nicht ruckend im Sekundentakt.
- Datum und Lupe. Das Datum springt exakt um Mitternacht. Die Zyklop-Lupe einer Rolex vergrößert 2,5-fach und füllt das Fenster.
- Lünette. Drehlünetten rasten präzise, bei Rolex 120 Klicks pro Umdrehung, ohne Spiel und ohne zu schleifen.
- Laserkrone. Rolex ätzt seit etwa 2002 eine winzige Krone in das Glas bei 6 Uhr. Sie ist nur im Streiflicht sichtbar.
- Nummern. Referenz und Seriennummer müssen zu Karte und Papieren passen. Wie Sie sie lesen, steht im Beitrag Rolex Referenznummer und Seriennummer.
- Preis. Liegt ein Angebot weit unter dem Marktniveau, hat das fast immer einen Grund.
Wo der Laien-Check endet
Gute Fälschungen bestehen die Punkte oben. Sie wiegen richtig, laufen ruhig und tragen kopierte echte Nummern. Schwieriger noch sind zusammengesetzte Uhren: ein echtes Gehäuse mit fremdem Zifferblatt, nachgefertigter Lünette oder einem Werk aus einer anderen Uhr. Von außen sind sie kaum zu erkennen.
Sicherheit gibt nur der Blick ins Gehäuse. Ein Uhrmacher öffnet den Boden, prüft Kaliber und Werknummer, das Finish von Rotor und Brücken, Dichtungen und Gangwerte. Genau das machen wir bei jeder Uhr, bevor sie in den Verkauf geht: öffnen, prüfen, Referenz und Seriennummer dokumentieren. Dabei arbeiten wir mit erfahrenen Uhrmachern in Deutschland und Korea zusammen. Jede Uhr erhält ein Echtheitszertifikat und zwölf Monate Garantie auf das Werk. Und wer dennoch zweifelt, gibt sie innerhalb von 14 Tagen zurück.
Die genannten Merkmale gelten für aktuelle Modelle. Bei Vintage-Uhren weichen Details wie Lupe, Gravuren und Leuchtmasse ab.
Kurz beantwortet
Full Set umfasst alles, was beim Kauf dabei war: Box, Karte, Booklets, Hangtags, oft die Rechnung. „Box und Papiere“ meint Box und Garantiekarte; die Beilagen fehlen.
In der Regel nicht. Rolex und die meisten Manufakturen stellen keine Ersatzkarten aus. Ein Service bei der Manufaktur dokumentiert die Uhr immerhin unter ihrer Seriennummer.
Von außen kaum. Erst beim Öffnen zeigt sich, ob Werk, Zifferblatt und Gehäuse zusammengehören: Kaliber und Werknummer, Finish, Passung. Kaufen Sie deshalb dort, wo die Uhr geöffnet und geprüft wurde.